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Gewürzsenf mit Honig und Anis

Kogebog / Libellus de arte coquinaria · Dänemark · 1300

🧂 Gewürz / Sauce ⚠ Viel Interpretationsspielraum Einfach
⏱ 20 Min.👥 1 Glas (ca. 250 ml)📖 Kogebog (Harpestreng-Handschrift NKS 66) (~1300)

Original — Altdänisch (ca. 1300)

Gewürzsenf mit Honig und Anis — Originalseite aus Kogebog (Harpestreng-Handschrift NKS 66)
Fol. 142v, Det Kongelige Bibliotek Kopenhagen, NKS 66, 8vo (ca. 1300), Public Domain

Transkription (Altdänisch (ca. 1300))

Item de aliis.

Mal aftær sinup oc lat til thrithi deld hunugh oc tyndæ deld aniz oc slikæ tu kaniæl. oc mal hænnæ mæth goth ædikæ oc lat .i. læghæl. Thæt ær got thre manæth.

Tekstnet.dk / DSL — Diplomatische Transkription nach NKS 66, 8vo. Ed. Jonathan Adams & Ebba Hjorth (2006)

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Zuhause vorbereiten.

Mahle zuerst den Senf. Gib dann ein Drittel Honig, ein Zehntel Anis und zwei Teile Zimt hinzu. Mahle die Mischung mit gutem Essig und fülle sie in einen Krug oder eine Flasche. Dieser Senf hält sich drei Monate lang.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
sinup Senfsaat Senfmehl
hunugh ein Drittel Honig
aniz ein Zehntel Anis
kaniæl zwei Teile Zimt
ædikæ guter Essig

Anmerkungen

sinup
Senf (hier: Senfsaat oder -pulver)
læghæl
Krug oder Flasche
thrithi deld
Ein Drittel
tyndæ deld
Ein Zehntel
slikæ tu
Zwei solche (Teile)

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

sinup

Gewählte Lesart: Senfsaat. Die Anweisung 'mal aftær sinup' (mahle Senf) deutet auf ganze Senfsaat hin, die vor der weiteren Verarbeitung gemahlen wird, was für die Herstellung von haltbarem Senf üblich war.

Andere mögliche Lesart:

  • Senfmehl. Es ist auch denkbar, dass bereits gemahlenes Senfmehl verwendet wurde, das dann nur noch mit den anderen Zutaten vermischt und mit Essig angerührt wird. — Senfmehl war im Mittelalter verfügbar und hätte den Mahlprozess verkürzt.

slikæ tu kaniæl

Gewählte Lesart: Zwei Teile Zimt. Die Formulierung 'slikæ tu' (zwei solche) bezieht sich auf die zuvor genannten proportionalen Mengenangaben ('deld' = Teil), was auf ein Verhältnis von zwei Teilen Zimt im Vergleich zu den anderen Zutaten hindeutet.

Andere mögliche Lesart:

  • Zwei Zimtstangen. Es könnte auch bedeuten, dass zwei Zimtstangen gemeint sind, die dann mitgemahlen werden. — Die Angabe von ganzen Stücken ist in mittelalterlichen Rezepten nicht unüblich, auch wenn 'deld' eher auf ein Volumen oder Gewicht hindeutet.

Häufige Fragen

Was ist ein 'Mörser' — brauche ich einen Mörser und Stößel?

Das Rezept verlangt das Mahlen der Zutaten. Dafür kannst du einen großen Mörser und Stößel verwenden, wie er im Mittelalter üblich war. Für die moderne Küche eignen sich auch eine Gewürzmühle, ein Blender oder eine Küchenmaschine, um die Senfsaat und Gewürze fein zu mahlen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht für die direkte Zubereitung am Lager geeignet, da der Senf drei Monate lang reifen und lagern soll. Du kannst ihn jedoch problemlos zu Hause vorbereiten und dann mit zum Lager nehmen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus der Harpestreng-Handschrift NKS 66, 8vo, die um 1300 in Dänemark verfasst wurde. Sie gilt als die älteste nordeuropäische Kochbuchquelle und bietet einen einzigartigen Einblick in die mittelalterliche Küche Skandinaviens.

Was bedeuten die Mengenangaben wie 'ein Drittel' oder 'ein Zehntel'?

Diese Angaben sind proportionale Maße, die sich auf ein nicht näher definiertes Gesamtvolumen beziehen. Wähle eine beliebige Grundeinheit (z.B. eine Tasse oder ein Löffel) für den Senf und berechne die anderen Zutaten entsprechend. Zum Beispiel: 10 Teile Senfsaat, 3,3 Teile Honig, 1 Teil Anis, 2 Teile Zimt.

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