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Warme Brotsuppe nach Klosterart

Tegernseer Wirtschaftsbüchlein (Speisenbuch) · Kloster Tegernsee, Bayern · 1460

🥣 Vorspeise 🏕 Lagerküche-tauglich ⚠ Viel Interpretationsspielraum Einfach
⏱ 15 Min.👥 4 Personen📖 Tegernseer Speisenbuch (~1460)

Original — Frühneuhochdeutsch (Ostmittelbairisch, 15./16. Jh.)

Warme Brotsuppe nach Klosterart — Originalseite aus Tegernseer Speisenbuch
Tegernseer Wirtschaftsbüchlein, BSB Cgm 8137, fol. 57r — Münchener Digitalisierungszentrum

Transkription (Frühneuhochdeutsch (Ostmittelbairisch, 15./16. Jh.))

Ein Warm Suppen. Ain portz Brot [in schmaltz geröstet, mit] suppen [übergossen vnd wol gesotten.] [Saltz vnd pfeffer darzü.]

BSB Cgm 8137, fol. 57r. Rekonstruierter Text nach OCR-Faksimile (Münchener Digitalisierungszentrum). Lücken durch [...] markiert.

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Altbackenes Brot ist auf jedem Markt vorhanden, Brühe aus dem Topf. Extrem einfach und sättigend.

Schneide das altbackene Brot in kleine Würfel und röste es in Schmalz oder Butter goldbraun an. Gieße die heiße Brühe oder gesalzenes Wasser darüber und lasse das Brot ein paar Minuten einweichen. Rühre durch und zermörsere die weichen Brocken leicht, sodass eine sämige Suppe entsteht. Würze mit Salz und einer guten Prise Pfeffer. Wer mag, kann ein Eigelb unterrühren — das macht die Suppe sättigender und reicher. Diese einfache, kräftigende Suppe aß man im Kloster vor allem in der Fasten- und Adventszeit.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Brot 4 Scheiben altbackenes Roggenmisch- oder Weißbrot Semmel vom Vortag
schmaltz 1 EL Schmalz (oder Butter) Metzger, Supermarkt Olivenöl
suppen 1 Liter Gemüse- oder Fischbrühe (in der Fastenzeit ohne Fleisch) gesalzenes Wasser
Saltz Salz nach Geschmack
pfeffer schwarzer Pfeffer, grob gemahlen

Anmerkungen

Warm Suppen
Warme Suppe — eine warme, meist sämige Flüssigkeitsspeise. Im Klosterkontext oft Fastengericht.
portz
Portion, Portionsgabe. Das Speisenbuch des Klosters legt genaue Portionsmengen fest.
schmaltz
Schmalz — ausgelassenes Tier- oder Gänsefett. An Fleischtagen mit Schweineschmalz, in der Fastenzeit mit Olivenöl oder Butter.
wol gesotten
Gut gesotten — bei mittlerer Hitze durchgekocht, bis das Brot vollständig aufgeweicht ist.

Häufige Fragen

Warum Brotsuppe im Kloster?

Brotsuppe war im Mittelalter eine der wichtigsten Fastenspeisen: nahrhaft, erschwinglich, ohne Fleisch. Altbackenes Brot wurde nie weggeworfen — im Kloster galt Sparsamkeit als Tugend. Die 'Warme Suppe' im Tegernseer Speisenbuch steht daher für die tägliche Mahlzeit der Mönche in Fasten- und Adventszeit.

Ist Brotsuppe wirklich mittelalterlich oder eine moderne Erfindung?

Brotsuppe ist uralt — sie taucht in Kochbüchern seit dem Hochmittelalter auf und wurde in ganz Europa gegessen. Das Tegernseer Speisenbuch belegt sie für den bayerischen Klosterkontext des 15. Jahrhunderts. Brot in Flüssigkeit einzuweichen war eine grundlegende Kochtechnik der Zeit.

Was verwende ich in der Fastenzeit statt Schmalz?

In der Fastenzeit war tierisches Fett verboten. Das Kloster Tegernsee verwendete stattdessen Butter (sofern erlaubt) oder importiertes Olivenöl. Für die Lagerküche eignet sich Butter am besten.

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