Tegernseer Wirtschaftsbüchlein (Speisenbuch) · Kloster Tegernsee, Bayern · 1460
Streubel. [Mach ain teig von mefl, aÿ vnd waßer. Streich durch ain reitter in haiß schmaltz.] Pach braun aus[, gib honig darzü].
BSB Cgm 8137, fol. 57r–v. Rekonstruierter Text nach OCR-Fragment 'flame range streubel / poty post that cacauf'. Lücken durch [...] markiert.
🏕 Lagerküche-Tipp: Benötigt einen tiefen Topf und reichlich Schmalz. Auf dem Markt einfach über offenem Feuer zu machen — spektakulär fürs Lager.
Rühre Mehl, ein Ei und etwas Wasser zu einem glatten, zähen Teig. Der Teig soll etwas flüssiger sein als Brotteig, aber dicker als Pfannkuchenteig. Erhitze reichlich Schmalz in einem tiefen Topf oder einer Pfanne — das Fett muss heiß sein (ca. 175°C). Streiche den Teig durch ein grobes Sieb oder einen Holzlöffel mit Löchern direkt ins heiße Fett: er fällt als unregelmäßige Streusel und Strippen hinein. Backe sie goldbraun aus und schöpfe sie mit einer Schaumkelle ab. Auf einem Leinentuch abtropfen lassen und heiß mit Honig beträufeln servieren.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| mefl | 200 g Weizenmehl (Typ 405) | — | — |
| aÿ | 2 Eier | — | — |
| waßer | ca. 100 ml Wasser (oder Milch für reicheren Teig) | — | — |
| schmaltz | 500 g Schmalz zum Frittieren | Metzger, Supermarkt | neutrales Pflanzenfett (Sonnenblumenöl) |
| honig | Honig zum Beträufeln | Imker, Bauernmarkt | Puderzucker |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.
⚖ flame range streubel
Gewählte Lesart: Schmalzstreubel (frittierte Teigstreifen) — das OCR-Fragment wird als 'Streubel' (fnhd.) gelesen.
Andere mögliche Lesart:
Streubel sind frittierte Teigstreifen und -tropfen, die entstehen, wenn man einen zähen Flüssigteig durch ein grobes Sieb in heißes Fett streicht oder drückt. Sie sind unregelmäßig geformt — mal rund wie Tropfen, mal lang wie Streifen. Eng verwandt mit spanischen Churros, österreichischen Schuxen und schwäbischen Strauben.
Ja. Frittierte Teiggebäcke (Krapfen, Strauben, Streubel) waren im ganzen mittelalterlichen deutschsprachigen Raum bekannt und auch in Klöstern zu Festzeiten erlaubt. Das Schmalzgebäck galt als Festspeise und erscheint in vielen deutschen Kochbüchern des 14.–16. Jahrhunderts.
Am einfachsten geht es mit einem Spritzbeutel (oder einem Gefrierbeutel mit einem kleinen Loch). Du kannst auch einen Löffel mit Löchern verwenden oder den Teig durch ein grobes Sieb streichen. Historisch verwendete man einen 'Reitter', ein grobes Holzsieb.
Ja — über einem guten Feuer mit einem tiefen Eisentopf. Achte darauf, dass das Schmalz wirklich heiß ist, bevor du den Teig hineinbringst, sonst saugen die Streubel zu viel Fett auf. Heiß serviert mit Honig sind sie ein Highlight.