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Klösterliche Milchsuppe

Tegernseer Wirtschaftsbüchlein (Speisenbuch) · Kloster Tegernsee, Bayern · 1460

🥣 Vorspeise 🏕 Lagerküche-tauglich ⚠ Viel Interpretationsspielraum Einfach
⏱ 15 Min.👥 4 Personen📖 Tegernseer Speisenbuch (~1460)

Original — Frühneuhochdeutsch (Ostmittelbairisch, 15./16. Jh.)

Klösterliche Milchsuppe — Originalseite aus Tegernseer Speisenbuch
Tegernseer Wirtschaftsbüchlein, BSB Cgm 8137, fol. 51r — Münchener Digitalisierungszentrum

Transkription (Frühneuhochdeutsch (Ostmittelbairisch, 15./16. Jh.))

Milchsuppen. Je gron oder milchsuppen [mit brot, gesaltzen oder mit honig gesweatzt, wol warm fürgetragen].

BSB Cgm 8137, fol. 51r. Rekonstruierter Text nach OCR-Fragment 'Je gron oder mitchsuppen'. Lücken durch [...] markiert.

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Sehr einfach. Milch und altbackenes Brot sind überall verfügbar. In 15 Minuten fertig.

Bringe die Milch in einem Topf zum Köcheln — sie darf nicht kochen, sonst schäumt sie über. Schneide das altbackene Brot in kleine Würfel oder reibe es grob. Rühre das Brot in die heiße Milch und lasse es 5 Minuten einweichen, bis es weich ist. Salze nach Geschmack oder süße alternativ mit etwas Honig für eine süße Variante. Wer eine cremigere Suppe möchte, kann ein Eigelb kurz vor dem Anrichten einrühren. Heiß servieren — die einfachste und wärmendste Fastenspeise des Klosteralltags.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
milch 1 Liter Vollmilch Hafermilch (für Fastenzeit ohne Milch)
brot 3 Scheiben altbackenes Weißbrot oder Semmel vom Vortag Roggenbrot (ergibt eine würzigere Suppe)
Saltz Salz nach Geschmack
honig 1–2 EL Honig (für süße Variante)

Anmerkungen

milchsuppen
Milchsuppe — eine der grundlegenden Fastenspeisen des Klosters. Milch war zwar tierisch, aber im frühen Mittelalter noch nicht überall als Fastenspeise verboten. Im 15. Jh. war sie in manchen Klöstern erlaubt.
Je gron
Je gron — möglicherweise 'je grün' (mit Kräutern) oder eine Abkürzung. Der genaue Sinn ist durch die schlechte OCR-Qualität unklar.
wol warm fürgetragen
Wohlwarm aufgetragen — heiß serviert, eine typische Klostermahlzeitenanweisung.

Häufige Fragen

War Milch im Kloster wirklich eine Fastenspeise?

Das ist eine interessante Frage. Im frühen Mittelalter waren Milch und Käse an Fasttagen verboten. Aber die Regelungen wurden im Laufe der Zeit gelockert, und im 15. Jahrhundert erlaubten viele Klöster Milchprodukte an normalen Fasttagen (Freitage, Vigilien), nur nicht in der strengen Fastenzeit (40 Tage vor Ostern). Das Kloster Tegernsee gehörte zur bayerischen Benediktinertradition, die in dieser Frage pragmatisch war.

Was macht eine gute Milchsuppe aus?

Die Milch darf niemals kochen — nur leicht köcheln. Zu starke Hitze lässt die Milch aufschäumen und überlaufen. Das Brot soll vollständig aufweichen und die Suppe leicht binden. Ein frisches Eigelb, kurz vor dem Servieren eingerührt, macht sie reichhaltiger.

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