Tegernseer Wirtschaftsbüchlein (Speisenbuch) · Kloster Tegernsee, Bayern · 1460
Waizenmuß [auf] depfanne. [Nim] waizenmefl [vnd aÿer, rür milch darzü, mach ain dicken teig. Seud in schmaltz auf der pfannen, rür stetig biß es stockt.]
BSB Cgm 8137, fol. 75r. Rekonstruierter Text nach OCR-Fragment 'Waitsennas od popfanneß / zue de avi muss auf depfanne'. Lücken durch [...] markiert.
🏕 Lagerküche-Tipp: Genau das richtige fürs Lager: nur Pfanne, Mehl, Eier und Milch. Kein Ofen nötig, fertig in 15 Minuten.
Rühre Weizenmehl, Eier und Milch zu einem dicken, glatten Brei — etwa wie ein sehr dicker Pfannkuchenteig. Erhitze Schmalz oder Butter in einer schweren Pfanne und gib die Masse hinein. Rühre sie bei mittlerer Hitze beständig, sodass der Brei nicht ansetzt und gleichmäßig stockt. Wenn der Brei fest und nicht mehr flüssig ist, ist er fertig. Salze nach Geschmack. Serviere ihn heiß als sättigende Beilage oder als einfaches Hauptgericht. Einfacher als er klingt — und besonders lecker mit ein wenig Honig oder altbackenem Käse gerieben darüber.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| waizenmefl | 200 g Weizenmehl (Typ 405 oder 550) | — | Dinkelvollkornmehl |
| aÿer | 3 Eier | — | — |
| milch | 250 ml Milch (oder Wasser für einfache Variante) | — | — |
| schmaltz | 2 EL Schmalz oder Butter | Metzger, Supermarkt | Olivenöl |
| Saltz | Salz nach Geschmack | — | — |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.
⚖ Waitsennas od popfanneß
Gewählte Lesart: Waizenmuß oder Pfannenbrei — zwei gleichwertige Bezeichnungen für denselben Brei.
Andere mögliche Lesart:
Waizenmuß wird gerührt, nicht gewendet — der Teig ist so dick, dass er in der Pfanne als kompakte Masse stockt, ähnlich wie Rührei mit Mehl. Er ist viel sättigender als Pfannkuchen und weniger 'fluffig'. Pfannkuchen wurden im Mittelalter ebenfalls gemacht, aber das 'Muß' ist eine eigenständige Zubereitungsform.
Weizen (Waizenmehl) galt als hochwertiger als Roggen und wurde für Festtage oder besondere Mahlzeiten verwendet. Das Kloster Tegernsee bezog Weizen aus dem bayerischen Alpenvorland. An normalen Tagen aßen die Mönche Roggen- oder Gerstenbrot.
Als sättigende Beilage zu Fisch oder Gemüse. Mit Honig beträufelt als süße Variante. Oder einfach mit geriebenem Käse — das Tegernseer Umland produzierte gute Bergkäse-Sorten.