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Gebratene Butter-Küchlein

Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent · Frankreich · 1300

🍯 Nachspeise ⚠ Viel Interpretationsspielraum Mittel
⏱ 45 Min.👥 2–4 Personen📖 Le Viandier de Taillevent (~1300)

Original — Moyen Français (ca. 1300–1400)

Gebratene Butter-Küchlein — Originalseite aus Le Viandier de Taillevent
Fol. 009v, Bibliothèque nationale de France, Manuscrit Français 19791, Gallica (ark:/12148/btv1b10501680z) — Domaine public

Transkription (Moyen Français (ca. 1300–1400))

Pour faire beure fraiz a la paelle prenes du pain blanc dur & esmie la

mye bien menu. & prenes de la mydon deux onces succre parmy & mectes
ensemble parmy le beurre & soit destrempe la paste auec doeufz et du
sucre sans y mectre point deaue & la faictes tendre comme vne aueille de
papier & arouses la paste de moyeux doeufz & puis enueloppes le coing
dedans / & puis le mectes en frire a la paelle auec autre beuf et apres
mettes en platz & serues.

Pichon & Vicaire 1892 (kritische Edition), Project Gutenberg #26567

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Zuhause vorbereiten.

Um frische Butter in der Pfanne zuzubereiten, nimm hartes Weißbrot und zerbrösle die Krume sehr fein. Nimm zwei Unzen Stärke und Zucker, vermische es mit der Butter. Die Masse soll mit Eiern und Zucker angefeuchtet werden, ohne Wasser hinzuzufügen. Forme sie so dünn wie ein Blatt Papier. Befeuchte den Teig mit Eigelb und wickle dann ein Stück davon ein. Danach frittiere es in der Pfanne mit weiterer Butter. Anschließend auf Teller legen und servieren.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
pain blanc dur Hartes Weißbrot
la mye Brotkrume
mydon deux onces 60 g Stärke Weizenstärke
succre Zucker
beurre Butter
doeufz Eier
moyeux doeufz Eigelb
autre beuf Butter

Anmerkungen

beure fraiz
Wörtlich ‚frische Butter‘, bezeichnet hier jedoch ein frittiertes Gebäck.
mydon
Stärke, wahrscheinlich Weizenstärke.
aueille de papier
Alte Form von ‚feuille de papier‘, also ‚Blatt Papier‘.
coing
Wörtlich ‚Quitte‘ oder ‚Ecke/Keil‘. Im Kontext dieses Rezepts wird es als ‚ein Stück‘ des Teiges interpretiert, das gefaltet oder gefüllt wird.
paelle
Pfanne.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

beure fraiz

Gewählte Lesart: ‚Frische Butter‘ als Name für ein frittiertes Gebäck.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚Frische Butter‘ als Zutat, die in der Pfanne zubereitet wird. — Der Kontext der Zubereitung mit Brot, Stärke, Eiern und Zucker sowie das Frittieren deutet jedoch stark auf ein Gebäck hin, nicht auf die Herstellung von Butter.

aueille de papier

Gewählte Lesart: ‚Blatt Papier‘, um die gewünschte Dünne des Teiges zu beschreiben.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine ‚Papierhülle‘ oder ‚Papierblatt‘. — ‚Aueille‘ ist eine alte Form von ‚feuille‘ (Blatt), daher ist die Übersetzung ‚Blatt Papier‘ die direkteste und gebräuchlichste.

coing

Gewählte Lesart: ‚Ein Stück‘ des Teiges, das gefaltet oder gewickelt wird.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚Quitte‘ als Füllung. — Obwohl ‚coing‘ auch Quitte bedeutet, ist diese Frucht nicht als Zutat im Rezept aufgeführt. Die Interpretation als ‚Stück‘ oder ‚Ecke‘ des Teiges, das gefaltet wird, ist im Kontext der Gebäckzubereitung plausibler.

autre beuf

Gewählte Lesart: ‚Weitere Butter‘ zum Frittieren.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚Anderes Rindfleisch‘ zum Frittieren. — Rindfleisch als Frittierfett für ein süßes Gebäck ist kulinarisch unplausibel. Es wird angenommen, dass ‚beuf‘ hier ein Schreibfehler für ‚beurre‘ (Butter) ist, was als Frittierfett für dieses Gericht sinnvoll wäre.

Häufige Fragen

Was ist ‚beure fraiz‘ in diesem Rezept?

Obwohl der Name ‚frische Butter‘ lautet, handelt es sich hier um ein süßes, frittiertes Gebäck, das in der Pfanne zubereitet wird. Es ist keine tatsächliche Butter, sondern ein Gericht, das möglicherweise butterähnlich schmeckt oder geformt ist.

Was bedeutet ‚coing‘ im Rezept?

‚Coing‘ kann ‚Quitte‘ oder ‚Ecke/Keil‘ bedeuten. Da Quitte nicht als Zutat genannt wird, ist es hier wahrscheinlich als ‚ein Stück‘ des Teiges zu verstehen, das gefaltet oder um eine Füllung gewickelt wird. Es könnte auch eine spezifische Form des Gebäcks meinen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht ideal für die Lagerküche. Zutaten wie Butter und Eier erfordern Kühlung, die im Lager oft nicht gegeben ist. Zudem sollte das Gebäck frisch zubereitet und warm serviert werden, was unter Lagerbedingungen schwierig ist.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus ‚Le Viandier de Taillevent‘, einem der bedeutendsten mittelalterlichen Kochbücher Frankreichs. Es wird dem Koch Guillaume Tirel, genannt Taillevent, zugeschrieben und entstand um 1300, wobei die vorliegende Version aus dem späten 14. Jahrhundert stammt.

Was bedeuten ‚deux onces‘ im Rezept?

‚Deux onces‘ bedeutet zwei Unzen. Eine mittelalterliche französische Unze entsprach etwa 28 Gramm, sodass zwei Unzen ungefähr 56 Gramm oder gerundet 60 Gramm sind.

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