Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350
Diz heizzet ris von Kriechen.
Diz heizzet ris von Kriechen. Du solt ris nemen vnd suede
eime brunnen. zvo halben wege so guezze daz wazzer abe
ez denne in eime reinen smaltze. vnd guez daz smaltz denne
abe vnd ein zucker dor vf vnde gibs hin vnd versaltz niht.
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001)
🏕 Lagerküche-Tipp: Ein Topf und ein Sieb zum Abgießen sind die einzigen benötigten Ausrüstungsgegenstände.
Dies wird Reis aus Griechenland genannt. Man nehme Reis und koche ihn in frischem Wasser. Wenn er halb gar ist, gieße man das Wasser ab. Dann koche man den Reis in reinem Schmalz weiter. Gieße danach das Schmalz ab und streue Zucker darüber. Serviere es dann und salze es nicht zu stark.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| ris | 200 g Reis | — | — |
| brunnen | 500 ml Wasser | Leitung | — |
| reinen smaltze | 50 g reines Schmalz | Supermarkt, Metzger | Butter oder Pflanzenöl |
| ein zucker | 2 EL Zucker | — | — |
| versaltz niht | 1 Prise Salz | — | — |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.
⚖ suede eime brunnen
Gewählte Lesart: Die Anweisung 'siede es in frischem Wasser' wurde gewählt, da dies die praktikabelste und logischste Methode zum Kochen von Reis ist.
Andere mögliche Lesart:
Schmalz ist in jedem Supermarkt erhältlich, oft auch beim Metzger. Alternativ kann man auch Butter oder ein geschmacksneutrales Pflanzenöl verwenden, um den Reis darin zu schwenken, falls kein Schmalz zur Hand ist oder eine vegetarische Option gewünscht wird.
Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Es benötigt nur wenige, leicht transportierbare Zutaten und kann einfach über offenem Feuer oder auf einem Kocher zubereitet werden.
Dieses Rezept stammt aus 'Das Buch von guter Speise', einem der ältesten bekannten Kochbücher in deutscher Sprache, verfasst um 1350 im süddeutschen Raum, wahrscheinlich in Würzburg. Es gibt Einblicke in die Küche des wohlhabenden Bürgertums oder des niederen Adels.
Der Begriff 'brunnen' wird hier im Sinne von 'frisches, klares Wasser' verstanden, nicht wörtlich ein Brunnen oder eine Quelle. Die Anweisung 'versaltz niht' (nicht übersalzen) ist ein wichtiger Hinweis, da Salz in der mittelalterlichen Küche oft großzügig verwendet wurde, hier aber ein süßes Gericht entsteht, bei dem eine feine Balance gefragt ist.