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Ein gutes Beigericht (Scherz)

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

Sonstiges ⚠ Viel Interpretationsspielraum Einfach
⏱ 10 Min.👥 1 Person (als kulinarischer Scherz)📖 Das Buch von guter Speise (~1350)

Original — Mittelhochdeutsch

Ein gutes Beigericht (Scherz) — Originalseite aus Das Buch von guter Speise
Fol. 162r, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU

Transkription (Mittelhochdeutsch)

Ein guot gerihte, der ez gern izzet.
Wilt du machen ein guot bigeriht,
so nim sydeln sweyz,
daz macht den magen gar heiz,
vnd nim kiselinges smaltz,
daz ist den meiden guot, die do sin hueffehaltz.
vnd nim bromber vnd bresteling,
daz ist daz aller beste ding.
bist du niht an sinnen taup,
so nim gruen wingart laup.
du solt nemen binzen,
luebstickel vnd minzen.
daz sint guote wuertze
fuer die grozzen furtze.
nim stigelitzes versen vnd mucken fuozze,
daz macht das koestlin allez suezze,
daz ist guot vnd mag wol sin
ein guot lecker spigerihtelin.
Ach, vnd versaltz nuer niht,
wanne ez ist ein guot geriht.

Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001)

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Zuhause vorbereiten.

Ein gutes Gericht, wer es gerne isst. Willst du ein gutes Beigericht zubereiten, so nimm Schweiß der Sumpfbinse – das macht den Magen ganz heiß. Und nimm Schmalz aus Kieselsteinen – das ist gut für die Mädchen, die hüftsteif sind. Und nimm Brombeeren und Preiselbeeren – das ist das allerbeste Ding. Bist du nicht an Sinnen taub, so nimm grünes Weinlaub. Du sollst Binsen nehmen, Liebstöckel und Minze. Das sind gute Gewürze für die großen Fürze. Nimm Stieglitzfersen und Mückenfüße – das macht das Köstlein ganz süß. Das ist gut und mag wohl sein ein gutes, leckeres Speisegerichtlein. Ach, und versalz es nur nicht, denn es ist ein gutes Gericht.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
sydeln sweyz Schweiß der Sumpfbinse Nichts (Scherzzutat)
kiselinges smaltz Schmalz aus Kieselsteinen Nichts (Scherzzutat)
bromber Brombeeren Supermarkt, Wochenmarkt, Wald
bresteling Preiselbeeren Supermarkt, Wochenmarkt, Wald Heidelbeeren
gruen wingart laup Grünes Weinlaub Wochenmarkt, gut sortierter Supermarkt
binzen Binsen Nichts (Scherzzutat)
luebstickel Liebstöckel Supermarkt, Gärtnerei
minzen Minze Supermarkt, Gärtnerei
stigelitzes versen Stieglitzfersen Nichts (Scherzzutat)
mucken fuozze Mückenfüße Nichts (Scherzzutat)

Anmerkungen

sydeln sweyz
Wörtlich 'Schweiß der Sumpfbinse', eine bekannte Scherzzutat in mittelalterlichen Rezepten, die Unmöglichkeit oder 'nichts' bedeutet.
kiselinges smaltz
Wörtlich 'Kieslingsschmalz', eine weitere Scherzzutat, die auf die Unmöglichkeit der Beschaffung hinweist.
hueffehaltz
Hüftsteif, steif in den Hüften.
bresteling
Preiselbeeren oder Heidelbeeren.
wingart laup
Weinlaub, Blätter des Weinstocks.
binzen
Binsen, eine Sumpfpflanze, die nicht essbar ist; hier eine Scherzzutat.
stigelitzes versen
Wörtlich 'Fersen des Stieglitz', eine unmögliche Scherzzutat.
mucken fuozze
Wörtlich 'Mückenfüße', eine unmögliche Scherzzutat.
furtze
Fürze, Blähungen.
spigerihtelin
Kleines Speisegericht.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

sydeln sweyz

Gewählte Lesart: Als Scherzzutat interpretiert, die 'nichts' oder etwas Unmögliches bedeutet, im Kontext der anderen absurden Zutaten.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine sehr obskure oder metaphorische Pflanze/Substanz. — Manche mittelalterliche Texte verwenden kryptische Namen für seltene Zutaten, aber die Kombination mit 'Kieslingsschmalz' und 'Mückenfüßen' macht die Scherzlesart wahrscheinlicher.

kiselinges smaltz

Gewählte Lesart: Als Scherzzutat interpretiert, die 'nichts' oder etwas Unmögliches bedeutet, im Kontext der anderen absurden Zutaten.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine Art von Mineralfett oder eine sehr grobe, unraffinierte Fettart. — Obwohl 'Schmalz' ein reales Produkt ist, ist 'aus Kieselsteinen' eine klare Absurdität, die auf den Scherzcharakter hinweist.

binzen

Gewählte Lesart: Als Scherzzutat interpretiert, da Binsen (Sumpfpflanzen) nicht essbar sind und in diesem Kontext die Reihe der unmöglichen Zutaten fortsetzen.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine seltene, essbare Pflanze, die heute nicht mehr bekannt ist. — Es gibt zwar vergessene Pflanzen, aber Binsen sind als ungenießbar bekannt und passen gut in die Reihe der humoristischen Elemente.

stigelitzes versen

Gewählte Lesart: Als Scherzzutat interpretiert, die 'nichts' oder etwas Unmögliches bedeutet, da Stieglitzfersen nicht als Zutat dienen können.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein metaphorischer Ausdruck für eine sehr kleine oder schwer fassbare Zutat. — Die wörtliche Bedeutung ist absurd, was die Interpretation als Scherz stützt.

mucken fuozze

Gewählte Lesart: Als Scherzzutat interpretiert, die 'nichts' oder etwas Unmögliches bedeutet, da Mückenfüße nicht als Zutat dienen können.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein metaphorischer Ausdruck für eine extrem kleine Menge oder eine winzige Zutat. — Die wörtliche Bedeutung ist absurd, was die Interpretation als Scherz stützt.

Häufige Fragen

Wo bekomme ich Schweiß der Sumpfbinse oder Stieglitzfersen?

Diese 'Zutaten' sind Teil des Scherzes und nicht real. Sie sind unmöglich zu beschaffen und sollen den humoristischen Charakter des Rezepts unterstreichen. Es gibt keine Bezugsquellen dafür.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist ein kulinarischer Scherz und nicht zur tatsächlichen Zubereitung gedacht. Es enthält unmögliche und ungenießbare 'Zutaten'. Es kann jedoch als Gesprächsanlass oder zur Unterhaltung am Lagerfeuer dienen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'Das Buch von guter Speise', einem der ältesten bekannten Kochbücher in deutscher Sprache, das um 1350 in Süddeutschland verfasst wurde. Es gibt Einblicke in die höfische und bürgerliche Küche der Zeit, aber auch in den Humor und die Rätselkultur.

Was bedeutet 'sydeln sweyz' oder 'kiselinges smaltz' im Rezept?

'Sydeln sweyz' bedeutet wörtlich 'Schweiß der Sumpfbinse' und 'kiselinges smaltz' 'Schmalz aus Kieselsteinen'. Beides sind humoristische, unmögliche Zutaten, die darauf abzielen, den Leser zu amüsieren oder zu verwirren. Sie sind ein Zeichen für den Witz und die Ironie, die auch in mittelalterlichen Kochbüchern zu finden waren.

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