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Fastenkrapfen mit Hechtdärmen und Äpfeln

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

🐟 Hauptspeise · Fisch ⚠ Viel Interpretationsspielraum Aufwändig
⏱ 90 Min.👥 2–4 Personen📖 Das Buch von guter Speise (~1350)

Original — Mittelhochdeutsch

Fastenkrapfen mit Hechtdärmen und Äpfeln — Originalseite aus Das Buch von guter Speise
Fol. 162v, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU

Transkription (Mittelhochdeutsch)

Einen krapfen.
Wilt du einen vasten krapfen machen von hechde darmen,
guote mandelmilich vnd tuo also vil epfele, als der vische
vnd snide sie dor vnder vnd mengez mit ein
wenic ris meles, daz ist guot zvo gefuelten krapfen

Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001)

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Zuhause vorbereiten.

Wenn Ihr einen Fastenkrapfen zubereiten wollt, nehmt Hechtdärme. Gebt gute Mandelmilch hinzu und ebenso viele Äpfel, wie Ihr Fischdärme habt. Schneidet die Äpfel klein und mischt sie unter die Därme. Vermengt dies alles mit ein wenig Reismehl. Dies ist eine gute Füllung für Krapfen.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
hechde darmen 200 g Hechtdärme Spezialitäten-Fischhändler 200 g Hechtfilet oder andere Fischinnereien (z.B. Fischleber)
guote mandelmilich 100 ml Mandelmilch
also vil epfele, als der vische 200 g Äpfel
ein wenic ris meles 2 EL Reismehl

Anmerkungen

krapfen
Im Mittelalter ein Oberbegriff für gefüllte Teigtaschen, Fritter oder Knödel, nicht zwingend süß wie heutige Berliner Krapfen.
vasten krapfen
Ein Krapfen, der den Regeln der Fastenzeit entspricht, d.h. ohne Fleisch (außer Fisch), Eier oder Milchprodukte (daher Mandelmilch).
hechde darmen
Därme vom Hecht, eine ungewöhnliche, aber in der mittelalterlichen Küche genutzte Zutat, insbesondere für Füllungen.
ris meles
Reismehl, das als Bindemittel verwendet wurde.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

krapfen

Gewählte Lesart: Ich habe 'Krapfen' als eine Art gefüllten Knödel oder Fritter interpretiert, der sowohl herzhaft als auch süß-herzhaft sein kann, passend zur mittelalterlichen Verwendung des Begriffs.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine andere Lesart wäre ein süßes, frittiertes Gebäck, ähnlich dem modernen Krapfen. — Diese Lesart ist weniger wahrscheinlich, da die Füllung aus Hechtdärmen und Äpfeln eher auf eine herzhafte oder süß-herzhafte Speise hindeutet und die moderne, rein süße Konnotation des Krapfens erst später entstand.

also vil epfele, als der vische

Gewählte Lesart: Ich habe dies als 'eine gleiche Menge Äpfel wie Fischdärme' interpretiert, um ein ausgewogenes Verhältnis in der Füllung zu gewährleisten.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte auch bedeuten 'so viele Äpfel wie ganze Fische, aus denen die Därme stammen'. — Diese Lesart ist weniger praktikabel, da die Menge der Därme eines Fisches sehr gering ist und die Angabe 'so viele Äpfel wie Fische' zu einer ungenauen und möglicherweise unausgewogenen Füllung führen würde, wenn man nicht weiß, wie viele Fische gemeint sind.

Häufige Fragen

Wo bekomme ich Hechtdärme?

Hechtdärme sind heute sehr schwer zu bekommen. Am ehesten bei einem spezialisierten Fischhändler auf Vorbestellung oder direkt von einem Angler. Als Alternative kann man Hechtfilet oder andere Fischinnereien (z.B. Fischleber) verwenden, um den Charakter des Rezepts zu erhalten.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht direkt für die Lagerküche geeignet. Die Beschaffung und gründliche Reinigung der Hechtdärme ist aufwendig und erfordert hygienische Bedingungen, die am Lager oft nicht gegeben sind. Eine vorbereitete Füllung könnte man mitbringen, aber die Authentizität leidet, wenn man die Därme durch Filet ersetzt. Für die Lagerküche empfiehlt sich eher ein Rezept mit leichter zugänglichen Zutaten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'Das Buch von guter Speise', einem der ältesten bekannten Kochbücher in deutscher Sprache, verfasst um 1350 in Süddeutschland (vermutlich Würzburg). Es gibt Einblicke in die höfische und bürgerliche Küche des Spätmittelalters.

Was bedeutet 'Krapfen' im Rezept?

Im mittelalterlichen Kontext bezeichnet 'Krapfen' eine breitere Kategorie von gefüllten Teigtaschen, Knödeln oder Frittern. Es ist nicht auf die süßen, frittierten Gebäckstücke (wie Berliner oder Faschingskrapfen) beschränkt, die wir heute kennen. Hier handelt es sich um eine herzhafte Füllung für eine solche Teigtasche oder einen Knödel.

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