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Feines Quittenmus

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

🍯 Nachspeise ⚠ Viel Interpretationsspielraum Mittel
⏱ 75 Min.👥 4–6 Personen📖 Das Buch von guter Speise (~1350)

Original — Mittelhochdeutsch

Feines Quittenmus — Originalseite aus Das Buch von guter Speise
Fol. 163v, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU

Transkription (Mittelhochdeutsch)

Ein kuetenmus.
Wilt du machen ein kuetenmuos, so nim kueten, wie vil
suede sie gar schon. vnd nim denne einen moerser vnd
dor inne clein vnd slahe sie durch ein tuoch. vnd nim
dor zvo vnd suedez do mit. vnd tuo ein zucker druf vnd

Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001)

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Zuhause vorbereiten.

Wenn Ihr ein Quittenmus zubereiten wollt, so nehmt Quitten in beliebiger Menge und kocht sie sehr weich. Nehmt sodann einen Mörser und zerstoßt die Quitten darin fein. Anschließend streicht sie durch ein Tuch, um eine glatte Masse zu erhalten. Nehmt dazu [eine Flüssigkeit wie Wasser oder Wein] und kocht das Mus damit weiter, bis es die gewünschte Konsistenz hat. Gebt Zucker darauf [und würzt es mit Gewürzen wie Ingwer oder Zimt, bevor Ihr es serviert].

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
kueten, wie vil 1 kg Quitten Wochenmarkt, Bio-Laden, Supermarkt (saisonal)
ein zucker 200-300 g Zucker

Anmerkungen

kuetenmus / kuetenmuos
Quittenmus
suede
sieden, kochen
gar schon
sehr weich, sehr zart
moerser
Mörser
dor inne clein
darin fein zerstoßen
slahe sie durch ein tuoch
streicht sie durch ein Tuch (passieren)
dor zvo
dazu
suedez do mit
kocht es damit
tuo ein zucker druf
gib Zucker darauf

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

suede sie gar schon

Gewählte Lesart: Die Formulierung 'gar schon' wurde als 'sehr weich' oder 'sehr zart' übersetzt, da dies im Kochkontext die plausibelste Bedeutung ist, um die Quitten für die Weiterverarbeitung vorzubereiten.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine alternative Lesart wäre 'sehr schön', was jedoch im Kontext des Kochens von Quitten weniger sinnvoll erscheint. — Obwohl 'schon' auch 'schön' bedeuten kann, ist die Bedeutung 'weich/zart' im Zusammenhang mit dem Kochen von hartem Obst wie Quitten die funktionellere und daher wahrscheinlichere Intention des Rezeptautors.

vnd nim dor zvo vnd suedez do mit. vnd tuo ein zucker druf vnd

Gewählte Lesart: Diese Passagen sind im Originaltext unvollständig und brechen ab. Die Übersetzung ergänzt in Klammern plausible Zutaten und Anweisungen, die typisch für Quittenmus-Rezepte dieser Zeit wären, um das Rezept nachvollziehbar zu machen.

Andere mögliche Lesart:

  • Man könnte den Text auch wortgetreu mit den Abbrüchen übersetzen und die Lücken unkommentiert lassen. — Dies würde die Unvollständigkeit des Originals exakt widerspiegeln, würde aber das Rezept für den modernen Nachkocher unbrauchbar machen, da wichtige Schritte fehlen. Die gewählte Interpretation bietet eine praktikable Brücke zur modernen Anwendung.

Häufige Fragen

Wo bekomme ich Quitten?

Quitten sind ein saisonales Obst, das im Herbst (September bis November) auf Wochenmärkten, in gut sortierten Bio-Läden oder manchmal auch in größeren Supermärkten erhältlich ist. Gelegentlich findet man sie auch bei regionalen Obstbauern.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, die Zubereitung dieses feinen Quittenmuses ist nicht ideal für die direkte Lagerküche. Das Zerstoßen im Mörser und das Passieren durch ein Tuch erfordern Zeit und geeignete Ausrüstung, die am Lager oft nicht praktikabel sind. Es ist jedoch hervorragend geeignet, um es zu Hause vorzubereiten und als fertiges Mus mit ins Lager zu bringen. Dort kann es dann einfach erwärmt oder kalt als Beilage oder Dessert genossen werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'Das Buch von guter Speise', einer der ältesten bekannten deutschsprachigen Kochbuchsammlungen. Es wurde um 1350 im süddeutschen Raum verfasst und gibt Einblicke in die höfische und bürgerliche Küche des Spätmittelalters.

Was ist ein 'Mörser' – brauche ich einen Mörser und Stößel?

Im mittelalterlichen Kochkontext ist mit 'Mörser' oft ein großer Fleisch- oder Universalmörser gemeint, der zum Zerkleinern und Pürieren von größeren Mengen Fleisch, Fisch oder eben auch Früchten diente. Für dieses Rezept ist ein solcher großer Mörser ideal, um die gekochten Quitten zu einer feinen Paste zu zerstoßen. Alternativ kann man in der modernen Küche eine Küchenmaschine oder einen leistungsstarken Mixer verwenden, um die Quitten zu pürieren, bevor sie durch ein Tuch gestrichen werden.

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