Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken · Frankfurt am Main · 1574
Von Bieren.
Bierbeumen wurtzelen, bletter vnd frücht, haben viel krafft. Gesotten Bierbaumen bletter, heilen Wunden. Die Kern gestossen vnd nüchtern genützt, vertreibt Leberwehe. Man macht Biern ein wie Treublin, Opffel, Pflaumen, Pfirsing vnd Quitten.
Mehlbiern, Eschenbachrin, Wasserbiern, Kolbiern, oder Schmaltzbiern, wol gederret in einem Backofen, vnd die behalten vber jar, So man die Kochen wil, seubert vnd stilet man sie sauber in warmen Wasser, vnd lest sie ertrucknen. Wer sie in Wein seud, vnd zu Feigen legt in ein Essen, sie schützen als Feigen.
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 2000)
🏕 Lagerküche-Tipp: Das Dörren von Birnen ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Frische Birnen können am Lagerfeuer oder in einem Lehmofen gedörrt werden. Alternativ bringst du bereits getrocknete Birnen mit. Zum Rehydrieren benötigst du lediglich einen Topf und warmes Wasser. Das Kochen in Wein ist ebenfalls einfach über dem Feuer umsetzbar.
Über Birnen. Birnbaumwurzeln, -blätter und -früchte besitzen große Heilkraft. Gekochte Birnbaumblätter heilen Wunden. Die Kerne, zerstoßen und auf nüchternen Magen eingenommen, vertreiben Leberleiden. Man legt Birnen ein, so wie man es mit Trauben, Äpfeln, Pflaumen, Pfirsichen und Quitten tut. Mehlbirnen, Eschenbacher Birnen, Wasserbirnen, Kolbirnen oder Schmalzbirnen sollst du gut in einem Backofen dörren und über das Jahr aufbewahren. Wenn du sie kochen möchtest, reinige und entstiele sie sorgfältig in warmem Wasser und lasse sie abtropfen. Wer sie in Wein kocht und zu Feigen in ein Gericht gibt, der verwendet sie wie Feigen.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Bierbeumen wurtzelen | Birnbaumwurzeln | — | — |
| bletter | Birnbaumblätter | — | — |
| frücht | Birnen | — | — |
| Kern | Birnenkerne | — | — |
| Treublin | Trauben | — | — |
| Opffel | Äpfel | — | — |
| Pflaumen | Pflaumen | — | — |
| Pfirsing | Pfirsiche | — | — |
| Quitten | Quitten | — | — |
| Mehlbiern/ Eschenbachrin/ Wasserbiern/ Kolbiern/ oder Schmaltzbiern | Verschiedene Birnensorten (z.B. Mehlbirnen, Eschenbacher Birnen, Wasserbirnen, Kolbirnen, Schmalzbirnen) | Wochenmarkt, Bio-Laden | Handelsübliche Dörrbirnen oder andere feste Birnensorten |
| warmen Wasser | Warmes Wasser | Leitung | — |
| Wein | Wein (z.B. Weißwein) | — | — |
| Feigen | Getrocknete Feigen | — | — |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.
⚖ Biern / Bierbeumen
Gewählte Lesart: Der Begriff 'Biern' wurde als Birnen und 'Bierbeumen' als Birnbaum übersetzt, da der Kontext des Rezepts (Aufzählung anderer Früchte, Dörren, Kochen) eindeutig auf die Frucht hinweist und nicht auf das Getränk Bier.
Im Frühneuhochdeutschen, der Sprache dieses Rezepts, ist 'Biern' ein sogenannter 'falscher Freund' und bedeutet Birnen, nicht das alkoholische Getränk Bier. Der Kontext mit anderen Früchten wie Äpfeln und Pflaumen bestätigt dies eindeutig.
Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Das Dörren von Birnen ist eine traditionelle Konservierungsmethode, die gut über offenem Feuer oder in einem Lehmofen durchgeführt werden kann. Bereits getrocknete Birnen lassen sich leicht transportieren und am Lager bei Bedarf in warmem Wasser rehydrieren und in Wein kochen.
Dieses Rezept stammt aus dem Werk 'Koch und Kellermeisterei', das um 1574 in Frankfurt am Main veröffentlicht wurde. Es ist ein typisches Beispiel für ein frühneuzeitliches Kochbuch, das neben kulinarischen Anweisungen oft auch medizinische oder haushalterische Ratschläge enthielt.
'Stilet' bedeutet hier, die Birnen zu entstielen und zu säubern. Nach dem Rehydrieren in warmem Wasser werden die Birnen von ihren Stielen befreit und gegebenenfalls von Kerngehäusen oder unschönen Stellen gereinigt, bevor sie weiterverarbeitet werden.