Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken · Frankfurt am Main · 1574
Ein Rehe Muß.
Schulderbrahten aus dem rücken, wo es mürb sey, gebeinet, wesch es aus warmen Wein, den thu in den schweis, vnd gerieben Lebkuchen, streich es in ein tuch. Auch schneid das Fleisch würfflet, dann thu es im durchgang in ein hafen, vnd wenn es schier geseudt, so mache es denn mit guten Würtzen ab, Oder reib noch mehr Lebkuchen darein, vnd saltze es, versuchs, vnd machs mit schwartzer Würtze ab.
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 2000)
🏕 Lagerküche-Tipp: Für die Lagerküche ist dieses Rezept gut geeignet. Die Zubereitung im Topf über offenem Feuer oder im Dutch Oven ist problemlos möglich. Ein Sieb und ein Tuch zum Passieren sind hilfreich, aber nicht zwingend, wenn eine rustikalere Konsistenz akzeptiert wird.
Nimm zartes Rehfleisch von der Schulter oder dem Rücken, entbeine es und wasche es in warmem Wein. Gib es dann in den eigenen Bratensaft oder eine Brühe und reibe Lebkuchen dazu. Streiche die Masse durch ein Tuch, um ein feines Mus zu erhalten. Alternativ schneide das Fleisch würfelig und gib es durch ein Sieb in einen Topf. Wenn es fast gar gekocht ist, schmecke es mit guten Gewürzen ab. Oder reibe noch mehr Lebkuchen hinein, salze es, probiere es und vollende es mit einer schwarzen Gewürzmischung.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Schulderbrahten aus dem rücken/ wo es mürb sey/ gebeinet | 500–700 g zartes Rehfleisch (Schulter oder Rücken) | Metzger | — |
| warmen Wein | 200 ml Rotwein (warm) | — | — |
| den schweis | 200 ml Wildfond oder kräftige Brühe | Supermarkt | — |
| gerieben Lebkuchen | 50–100 g Lebkuchen (gerieben) | — | — |
| guten Würtzen | nach Geschmack Gewürze (z.B. Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat) | — | — |
| saltze es | nach Geschmack Salz | — | — |
| schwartzer Würtze | nach Geschmack Schwarze Gewürzmischung (z.B. viel Pfeffer, Piment, Nelken) | — | — |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.
⚖ den thu in den schweis
Gewählte Lesart: Gib es dann in den eigenen Bratensaft oder eine Brühe.
Andere mögliche Lesart:
⚖ streich es in ein tuch / thu es im durchgang in ein hafen
Gewählte Lesart: Streiche die Masse durch ein Tuch, um ein feines Mus zu erhalten / gib es durch ein Sieb in einen Topf.
Andere mögliche Lesart:
⚖ schwartzer Würtze
Gewählte Lesart: schwarze Gewürzmischung (z.B. viel Pfeffer, Piment, Nelken).
Andere mögliche Lesart:
„Schweiß“ bezeichnet hier den Bratensaft oder die Kochflüssigkeit des Wildfleisches. Historisch konnte damit auch das Blut des Tieres gemeint sein, das zum Binden und Würzen verwendet wurde. Für die moderne Küche wird meist Wildfond oder eine kräftige Brühe als Ersatz verwendet.
Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind transportabel, und die Zubereitung in einem Topf über offenem Feuer oder im Dutch Oven ist unkompliziert. Das Passieren durch ein Tuch kann bei Bedarf auch weggelassen werden, wenn eine rustikalere Textur gewünscht ist.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch „Koch und Kellermeisterei“, das um 1574 in Frankfurt am Main veröffentlicht wurde. Es bietet Einblicke in die bürgerliche Küche der frühen Neuzeit, die bereits eine gewisse Raffinesse und den Einsatz von Gewürzen zeigte.
Eine „schwarze Würze“ war im Mittelalter und der frühen Neuzeit eine Gewürzmischung, die oft viel schwarzen Pfeffer enthielt und dem Gericht eine dunkle Farbe verlieh. Weitere Bestandteile konnten Piment, Nelken oder andere dunkle Gewürze sein.