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Eierkuchen aus dem Mörser

Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken · Frankfurt am Main · 1574

🏕 Lagerküche-tauglich ⚠ Viel Interpretationsspielraum Einfach
⏱ 15 Min.👥 2–3 Personen📖 Koch und Kellermeisterei (~1574)

Original — Frühneuhochdeutsch

Eierkuchen aus dem Mörser — Originalseite aus Koch und Kellermeisterei
Koch und Kellermeisterei, S. 051

Transkription (Frühneuhochdeutsch)

Ein Kuch in einem Mörser.

Eyer, Würtz, weis Brot, würfflet geschnitten, temperiers wol vnter einander, hack Peterlin darunter, thu es in ein Pfann mit ein wenig Buttern, setz es auff Kolen, je lenger je neher, thu Butter daran.
Eyer die frisch gelegt sein, der totter in ein warm vngesigen Milch geschlagen, vnd also warm getruncken, vertreibt den Husten, vnd alle Pastemen.

Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 2000)

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Der Eierkuchen ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Ein großer Mörser ist für die Authentizität schön, aber eine Schüssel und ein Löffel zum Vermischen sind für das Ergebnis ausreichend.

Für den Eierkuchen: Nimm Eier, Gewürze und gewürfeltes Weißbrot. Vermische alles gut miteinander. Hacke Petersilie fein und gib sie ebenfalls hinzu. Gib die Masse in eine Pfanne mit etwas Butter. Setze die Pfanne auf glühende Kohlen; je länger die Garzeit, desto näher an die Hitzequelle rücken. Gib während des Garens oder danach noch etwas Butter hinzu. Als Hausmittel: Schlage den Dotter von frisch gelegten Eiern in warme, ungesiebte Milch und trinke dies warm. Es soll Husten und alle Beschwerden vertreiben.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Eyer 4 Eier
Würtz 1 TL Gewürzmischung (Pfeffer, Ingwer, Muskat)
weis Brot/ würfflet geschnitten 100 g Weißbrot, gewürfelt
Peterlin Petersilie
Buttern 50 g Butter
Milch 200 ml Milch (für das Hausmittel)

Anmerkungen

Kuch
Ein herzhafter Kuchen, hier eher eine Art dicke Omelette oder Frittata.
Würtz
Allgemeine Bezeichnung für Gewürze, typischerweise eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Muskat, Nelken.
Peterlin
Petersilie.
temperiers wol vnter einander
Vermische es gut miteinander, rühre es an.
je lenger je neher
Je länger die Garzeit, desto näher an die Hitzequelle rücken. Eine Anweisung zur Hitzeregulierung beim Kochen über Kohlen.
vngesigen Milch
Ungesiebte, ungefilterte Milch, also Vollmilch, möglicherweise noch mit Rahm.
Pastemen
Ein volksheilkundlicher Begriff für Beschwerden, Krankheiten oder Gebrechen.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

Kuch

Gewählte Lesart: Als 'Kuchen' im Sinne einer herzhaften, gebackenen oder gebratenen Eierspeise, ähnlich einer Frittata oder einem dicken Omelett, interpretiert.

in einem Mörser

Gewählte Lesart: Die Zutaten werden im Mörser zu einer homogenen Masse zerstoßen und vermischt, bevor sie in der Pfanne gegart werden. Dies dient der Textur und dem guten Verbinden der Bestandteile.

Andere mögliche Lesart:

  • Der Mörser könnte auch als Gefäß für die Zubereitung und das Servieren gemeint sein, was aber weniger plausibel ist, da die Pfanne explizit für das Kochen genannt wird. — Die Anweisung 'thu es in ein Pfann' macht deutlich, dass der Mörser primär für die Vorbereitung der Masse dient.

Würtz

Gewählte Lesart: Als allgemeine Gewürzmischung interpretiert, da keine spezifischen Gewürze genannt werden. Eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer und Muskat ist historisch plausibel.

vngesigen Milch

Gewählte Lesart: Als ungesiebte, ungefilterte Milch verstanden, was im Kontext der Zeit Vollmilch mit natürlichem Fettgehalt und möglicherweise noch Rahm bedeutet.

Pastemen

Gewählte Lesart: Als 'Beschwerden' oder 'Krankheiten' im Sinne eines volksheilkundlichen Begriffs für allgemeine Leiden übersetzt.

Andere mögliche Lesart:

  • Könnte eine Verballhornung von 'Pestilenz' sein, was aber im Kontext eines Hustenmittels zu spezifisch wäre. — Die allgemeine Natur des Hausmittels legt eine breitere Bedeutung nahe.

Häufige Fragen

Was ist ein 'Mörser' – brauche ich einen Mörser und Stößel?

In mittelalterlichen Rezepten ist mit 'Mörser' oft ein großer Fleischmörser gemeint, in dem Zutaten zu einer feinen Paste zerstoßen werden. Für dieses Rezept, das ein Vermischen und Zerkleinern von Brot und Kräutern mit Eiern erfordert, kannst du statt eines großen Mörsers auch eine Küchenmaschine oder einen Blender verwenden, um eine homogene Masse zu erhalten. Alternativ reicht auch eine Schüssel und ein kräftiger Löffel oder Schneebesen, um die Zutaten gut zu vermengen und das Brot etwas zu zerdrücken.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind einfach und haltbar, und die Zubereitung in einer Pfanne über offenem Feuer oder auf einem Dreibein ist unkompliziert. Das Weißbrot kann bereits gewürfelt mitgebracht werden, und die Petersilie lässt sich frisch halten oder getrocknet verwenden. Die Eier sind ebenfalls gut transportierbar.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch 'Koch und Kellermeisterei', das um 1574 in Frankfurt am Main veröffentlicht wurde. Es ist ein typisches Beispiel für die frühneuzeitliche Küche, die sowohl einfache Speisen als auch volksheilkundliche Ratschläge enthielt und sich an ein breiteres Publikum richtete.

Was bedeutet 'Pastemen' im Rezept?

'Pastemen' ist ein altertümlicher Begriff, der in diesem Kontext 'Beschwerden', 'Krankheiten' oder 'Gebrechen' bedeutet. Es handelt sich um einen volksheilkundlichen Ausdruck für allgemeine körperliche Leiden, die durch das beschriebene Hausmittel gelindert werden sollen.

Welche 'Würtz' soll ich verwenden?

Da das Rezept keine spezifischen Gewürze nennt, kannst du eine typische mittelalterliche Gewürzmischung verwenden. Dazu gehören oft Pfeffer, Ingwer, Muskat und eventuell eine Prise Nelken oder Kardamom. Experimentiere nach deinem Geschmack, um die gewünschte Würze zu erzielen.

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