Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
En septembre l'en commence a chacier les bestes noires jusques a la Saint Martin d'iver. Item, tous les iiii membres sont appellez jambons comme d'un porc. Item, d'un sanglier a la hure, les costelz, l'eschine, les nombles, les iiii jambons; c'est tout. Item, des yssues l'en ne retient fors le foye, qui semble qu'il soit propre pour faire soutil brouet d'Angleterre. Item, la char fresche est cuicte et appareilliee en eaue et aux espices comme le cerf. Du bourbelier, c'est le nomblet, combien que en cest endroit l'en dit bien nombletz d'une part et bourbelier de l'autre. Item, le sanglier salé se mengut a la fourmentee. La teste se cuit entiere, et moictié vin et moictié eaue. Les joes en sont bonnes par lesches sur le grail.
Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon – TEI P5, Lizenz Etalab
🏕 Lagerküche-Tipp: Zuhause vorbereiten.
Im September beginnt man, die schwarzen Tiere zu jagen, und dies währt bis zum Martinstag im Winter. Des Weiteren werden alle vier Gliedmaßen als 'jambons' bezeichnet, wie bei einem Schwein. Von einem Wildschwein erhält man den Kopf (die Hure), die Rippen, den Rücken, die Lenden und die vier Keulen; das ist alles. Von den Innereien behält man nur die Leber, die geeignet scheint, einen feinen englischen Eintopf zuzubereiten. Das frische Fleisch wird in Wasser und mit Gewürzen gekocht und zubereitet, wie man es mit Hirschfleisch tut. Vom 'Bourbelier', das ist das 'Nomblet', obwohl man an dieser Stelle gut 'Nombletz' auf der einen Seite und 'Bourbelier' auf der anderen sagt. Das gesalzene Wildschwein wird mit 'Fourmentee' gegessen. Der Kopf wird ganz gekocht, in halb Wein und halb Wasser. Die Wangen davon sind gut, in Scheiben auf dem Rost gebraten.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| bestes noires / sanglier | 1 Wildschwein (ganz) | Metzger (auf Bestellung) / Jäger | Schweinefleisch (Schulter, Keule, Rippen, Leber) |
| foye | Wildschweinleber | Metzger (auf Bestellung) | Schweineleber |
| eaue | Wasser | Leitung | — |
| espices | Gewürzmischung (Ingwer, Zimt, Nelken, Pfeffer) | — | — |
| vin | Rotwein | — | — |
| salé (implied) | Salz | — | — |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.
⚖ jambons
Gewählte Lesart: Ich habe 'jambons' als 'Keulen' oder 'Beine' übersetzt, da der Text von 'tous les iiii membres' (alle vier Gliedmaßen) spricht und dies die anatomisch korrekte und im mittelalterlichen Kontext übliche Bezeichnung für die unverarbeiteten Gliedmaßen ist.
Andere mögliche Lesart:
⚖ soutil brouet d'Angleterre
Gewählte Lesart: Ich habe 'soutil brouet d'Angleterre' als 'feinen englischen Eintopf' übersetzt, wobei 'soutil' hier 'fein', 'raffiniert' oder 'delikat' bedeutet, um die Qualität des Eintopfs hervorzuheben.
Andere mögliche Lesart:
⚖ bourbelier / nomblet
Gewählte Lesart: Ich habe 'bourbelier' und 'nomblet' als spezifische, aber nicht näher definierte Schnitte der Lende oder des Bauches des Wildschweins belassen, da der Text selbst eine gewisse Mehrdeutigkeit in der regionalen oder spezifischen Bezeichnung dieser Stücke andeutet.
Andere mögliche Lesart:
⚖ grail
Gewählte Lesart: Ich habe 'grail' als 'Rost' oder 'Grill' übersetzt, da dies die gängige Methode war, Fleisch über offenem Feuer zu braten.
Andere mögliche Lesart:
Ein 'soutil brouet d'Angleterre' ist ein 'feiner' oder 'subtiler' englischer Eintopf. Der Begriff 'brouet' bezeichnete im Mittelalter einen dicken, gewürzten Eintopf, oft auf Brühebasis. 'Subtil' könnte sich auf eine raffinierte Würzung oder eine besondere Zubereitungsart beziehen, die in England populär war. Ohne weitere Angaben im Rezept bleibt die genaue Zusammensetzung spekulativ, aber es war wahrscheinlich ein reichhaltiger, gut gewürzter Leber-Eintopf.
'Fourmentee' ist ein mittelalterlicher Weizenbrei. Er wurde typischerweise aus geschrotetem Weizen, Milch oder Brühe und Gewürzen wie Safran, Zimt und Zucker (oder Honig) zubereitet. Er konnte sowohl süß als auch herzhaft sein und diente oft als Beilage zu Fleischgerichten, insbesondere zu gesalzenem Fleisch.
Nein, dieses Rezept ist in seiner Gesamtheit nicht für die spontane Lagerküche geeignet. Die Zerlegung eines ganzen Wildschweins, das Salzen zur Konservierung und das Kochen des Kopfes sind zeitaufwendige Prozesse, die eine umfangreiche Vorbereitung und Ausrüstung erfordern. Einzelne Schritte, wie das Braten der Wangen auf einem Rost, könnten zwar am Lagerfeuer umgesetzt werden, aber die Gesamtverwertung des Tieres ist eher eine Aufgabe für die heimische Küche oder eine größere, geplante Veranstaltung.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 verfasst wurde. Es wurde von einem wohlhabenden Pariser Bürger für seine junge Frau geschrieben und enthält neben Kochrezepten auch Ratschläge zur Haushaltsführung, Gartenarbeit und Moral. Es ist eine wichtige Quelle für die mittelalterliche französische Küche und das bürgerliche Leben des späten 14. Jahrhunderts.
Im Kontext dieses mittelalterlichen Rezepts bezieht sich 'jambons' auf die Keulen oder Beine des Wildschweins. Im Gegensatz zum modernen französischen 'jambon', das fast ausschließlich gepökelten oder gekochten Schinken meint, war der Begriff im Mittelalter allgemeiner und bezeichnete die Gliedmaßen des Tieres, die sowohl frisch als auch gesalzen oder gepökelt zubereitet werden konnten.
Wenn im Ménagier de Paris allgemein von 'espices' (Gewürzen) die Rede ist, sind meist die typischen mittelalterlichen Gewürzmischungen gemeint. Diese umfassten häufig Ingwer, Zimt, Nelken, langen Pfeffer, Muskatnuss und Paradieskörner (Maniguette). Eine Mischung aus diesen Gewürzen würde dem historischen Geschmack am nächsten kommen.