Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
Civé d'oistres. Eschaudez et lavez tresbien les oictres, les cuisiez puis ung seul boullon, et les mectez esgoucter, et les friolez avec de l'ongnon cuit en l'uille. Puis prenez pain harlé ou chappellures grant foison, et mectez tremper en puree, ou en l'eaue boulye des oictres, et du vin plain, et coulez. Puiz prenez canelle, giroffle, poivre long, graine, et saffran pour donner couleur, broyez, et destrempez de vertjus et vinaigre, et mectez d'une part. Puis broyez vostre pain harlé ou chappellures avec la puree ou eaue des oictres, et aussi les oictres, puiz qu'elles ne seroient assez cuictes.
Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon – TEI P5, Lizenz Etalab
🏕 Lagerküche-Tipp: Dieses Gericht kann am Lager zubereitet werden, sofern frische Austern, ein Kochgefäß für Feuer und ein Mörser oder eine Alternative zum Zerkleinern vorhanden sind.
Blanchiere und wasche die Austern sehr gründlich. Koche sie dann nur einmal kurz auf und lasse sie abtropfen. Brate sie anschließend mit in Öl gegarten Zwiebeln an. Nimm dann reichlich geröstetes Brot oder Semmelbrösel und weiche sie in einem Püree oder im Kochwasser der Austern und reichlich Wein ein. Seihe die Mischung ab. Nimm danach Zimt, Nelken, langen Pfeffer, Paradieskörner und Safran, um Farbe zu geben. Zerstoße diese Gewürze und löse sie in Verjus und Essig auf, dann stelle sie beiseite. Zerstoße anschließend dein geröstetes Brot oder die Semmelbrösel mit dem Püree oder dem Austernwasser, und ebenso die Austern, falls sie nicht ausreichend gekocht wären.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| oictres | Frische Austern | Fischhändler, Wochenmarkt | — |
| ongnon | Zwiebeln | — | — |
| uille | Pflanzenöl | — | — |
| pain harlé | Geröstetes Weißbrot | — | Toastbrot |
| chappellures | Semmelbrösel | — | — |
| puree | Püree (z.B. Erbsen- oder Bohnenpüree) | — | Dicke Gemüsebrühe |
| eaue boulye des oictres | Austernkochwasser | — | — |
| vin plain | Weißwein | — | — |
| canelle | Zimt | — | — |
| giroffle | Nelken | — | — |
| poivre long | Langer Pfeffer | Gewürzhändler, Online | Schwarzer Pfeffer |
| graine | Paradieskörner | Gewürzhändler, Online | Schwarzer Pfeffer mit einem Hauch Kardamom |
| saffran | Safran | Gewürzhändler, Apotheke, Online | — |
| vertjus | Verjus | Feinkostladen, Online | Milder Weißweinessig oder Zitronensaft |
| vinaigre | Essig | — | — |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.
⚖ puree
Gewählte Lesart: Die Übersetzung 'Püree' wurde gewählt, da es sich um eine dicke, sämige Flüssigkeit handelt, die als Basis für das Einweichen des Brotes dient.
Andere mögliche Lesart:
⚖ ung seul boullon
Gewählte Lesart: Die Austern sollen nur 'einmal kurz aufkochen', um sie zu garen, aber nicht zäh werden zu lassen.
Andere mögliche Lesart:
⚖ puiz qu'elles ne seroient assez cuictes
Gewählte Lesart: Die Austern sollen zerstoßen werden, und dieser Schritt ist besonders wichtig oder muss sorgfältiger ausgeführt werden, falls sie nicht ausreichend gekocht wären.
Andere mögliche Lesart:
Verjus ist der Saft unreifer Weintrauben und wurde im Mittelalter häufig als Säuerungsmittel in der Küche verwendet, ähnlich wie Essig oder Zitronensaft. Er ist milder und fruchtiger als Essig. Du findest Verjus in gut sortierten Feinkostläden oder online bei spezialisierten Händlern. Alternativ kannst du einen milden Weißweinessig oder Zitronensaft verwenden, wobei der Geschmack leicht abweichen wird.
Ja, dieses Rezept ist für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung erfordert ein Kochgefäß für Feuer und einen Mörser oder eine Küchenmaschine zum Zerkleinern der Zutaten. Frische Austern müssen vor Ort verfügbar sein oder gekühlt mitgebracht werden.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die bürgerliche Küche des späten Mittelalters in Paris und richtet sich an eine junge Ehefrau, die ihren Haushalt führen soll.
Im mittelalterlichen Kochkontext war der Mörser oft ein großer Fleischmörser aus Stein oder Metall, der zum Zerkleinern von Fleisch, Fisch oder Nüssen zu einer feinen Paste verwendet wurde. Für dieses Rezept, in dem Brot und Austern zerstoßen werden, ist ein großer Mörser ideal, um eine feine Textur zu erzielen. Alternativ kannst du eine moderne Küchenmaschine oder einen Blender verwenden, um die Zutaten zu pürieren.
'Graine' bezieht sich hier auf Paradieskörner (Aframomum melegueta), auch bekannt als Maniguette. Dieses westafrikanische Gewürz war im Mittelalter sehr beliebt und wurde oft als Ersatz für oder Ergänzung zu schwarzem Pfeffer verwendet. Es hat einen pfeffrigen, leicht kardamomartigen Geschmack.
Der Begriff 'puree' im Ménagier de Paris kann verschiedene Bedeutungen haben. Oft ist damit ein Püree aus Erbsen oder Bohnen gemeint, das als Bindemittel und Geschmacksgeber dient. In diesem Rezept könnte es aber auch allgemeiner eine dicke, sämige Flüssigkeit bezeichnen, in der das Brot eingeweicht wird. Wenn du kein spezielles Erbsen- oder Bohnenpüree verwenden möchtest, kannst du auch eine dicke Gemüsebrühe oder eine andere sämige Flüssigkeit nutzen, um das Brot einzuweichen.