Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
Poucins gros comme hetoudeaulx en juillet. Tuez ii jours devant, et rostiz, flamblez, mengiez au moust - qui se fait en tout temps de vin, vertjus et foison succre. Pour les faisander, il les couvient saigner et incontinent les mectre et faire mourir en ung seel d'eaue froide, et tantost remectre en ung autre seel d'eaue tresfroide; et il sera faisandé ce matin mesmes comme de deux jours tué.
Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon – TEI P5, Lizenz Etalab
🏕 Lagerküche-Tipp: Zuhause vorbereiten.
Nimm junge Küken, so groß wie Haselhühner, wie sie im Juli zu finden sind. **Traditionelle Methode:** Töte die Küken zwei Tage zuvor, röste sie, flambiere sie und serviere sie mit Mostsauce. Diese Sauce lässt sich jederzeit aus Wein, Verjus und reichlich Zucker zubereiten. **Schnelle Faisandier-Methode:** Um die Küken schnell wildbretartig zu machen, musst du sie ausbluten lassen. Lege sie sogleich in einen Eimer mit kaltem Wasser und lasse sie darin sterben. Danach lege sie sofort in einen anderen Eimer mit sehr kaltem Wasser. Auf diese Weise werden sie noch am selben Morgen faisandiert sein, als wären sie zwei Tage zuvor getötet worden.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Poucins gros comme hetoudeaulx | 2 junge Hühner (oder Wachteln/Perlhühner) | Metzger / Geflügelhof | 2-4 Wachteln oder 1 kleines Perlhuhn |
| vin | 200 ml Weißwein | — | — |
| vertjus | 100 ml Verjus | Feinkostladen / Online-Handel | 50 ml Weißweinessig + 50 ml Traubensaft |
| foison succre | 100 g Zucker | — | — |
| eaue froide / eaue tresfroide | Kaltes Wasser | Leitung | — |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.
⚖ Poucins gros comme hetoudeaulx
Gewählte Lesart: Die Übersetzung 'junge Küken, so groß wie Haselhühner' gibt die Größe der Vögel an, die im Juli typischerweise jung und zart sind.
Andere mögliche Lesart:
⚖ Moust
Gewählte Lesart: Obwohl 'Most' im modernen Deutsch unvergorenen Traubensaft bezeichnet, wird hier eine Sauce beschrieben, die aus Wein, Verjus und Zucker hergestellt wird. Dies ist eine typische süß-saure Sauce des Mittelalters.
Andere mögliche Lesart:
⚖ Faire mourir en ung seel d'eaue froide
Gewählte Lesart: Diese Anweisung beschreibt eine spezifische Tötungs- und Reifungsmethode, bei der das Tier in eiskaltem Wasser stirbt, um das Fleisch zart und 'faisandiert' zu machen.
Andere mögliche Lesart:
Junge Hühner sind am besten direkt beim Geflügelhof oder einem spezialisierten Metzger erhältlich. Als geschmackliche Alternative eignen sich auch Wachteln oder ein kleines Perlhuhn, die eine ähnliche Größe und Textur aufweisen.
Nein, dieses Rezept ist nicht direkt für die Lagerküche geeignet. Die spezielle Methode des 'Faisandierens' in eiskaltem Wasser erfordert kontrollierte Bedingungen und ist am Lager nur schwer umsetzbar. Die traditionelle Methode des Hängens über zwei Tage ist ebenfalls eine Vorbereitung, die nicht am Lager stattfindet. Bereite die Küken und die Sauce daher zu Hause vor.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die bürgerliche Küche des späten Mittelalters in Paris und richtet sich an eine junge Ehefrau, die ihren Haushalt führen soll.
Verjus (französisch für 'grüner Saft') ist der Saft unreifer Weintrauben. Er ist sauer wie Essig, aber milder und fruchtiger im Geschmack. Du findest ihn in gut sortierten Feinkostläden oder online bei spezialisierten Händlern. Alternativ kannst du eine Mischung aus Weißweinessig und Traubensaft verwenden, um einen ähnlichen säuerlich-fruchtigen Geschmack zu erzielen.
'Faisander' bedeutet, Fleisch einen wildbretartigen Geschmack und eine zarte Textur zu verleihen, ähnlich wie bei Fasanenfleisch. Traditionell geschieht dies durch das Abhängen des Wilds über mehrere Tage. Dieses Rezept beschreibt eine ungewöhnliche Schnellmethode, bei der die Vögel in eiskaltem Wasser getötet und gereift werden, um diesen Effekt zu erzielen.