Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
Pour faire glus, il couvient peler le houx quant il est en sa seve (et est communement ou moiz de may jusques a aoust), et puis boulir l'escorche en eaue tant que la taye de dessus se separe, puis peler; et quant la taye sera pellee envelopez le demourant de feuilles de yebles, de seur, ou autres larges feuilles, et soit mis en lieu froit (comme en cave ou dedens terre ou en fumier froit) par l'espace de ix jours ou plus, tant qu'il soit pourry; et puis la couvient piler comme poree de choux et mectre par tourteaulx comme guede. Et puis aler laver les tourteaulx l'un apres l'autre et despecier comme cire; et ne soit pas trop lavee en la premiere eaue ne trop roide eaue. Et apres l'en peut tout ensemble despecier et paumaier en eaue bien courant, et mectre en ung pot et conserver bien couvert. Et qui veult faire glus pour eaue, il couvient eschauffer ung petit d'uille et la destremper sa glus et puis gluer sa lingne. Item, l'en fait autre glus de fourment.
Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon – TEI P5, Lizenz Etalab
🏕 Lagerküche-Tipp: Zuhause vorbereiten.
Um Vogelleim herzustellen, schäle die Stechpalme, wenn sie im Saft steht (dies ist gewöhnlich von Mai bis August). Koche dann die Rinde in Wasser, bis sich die obere Schicht löst, und schäle sie ab. Wenn die äußere Schicht abgeschält ist, wickle den Rest in Holunderblätter oder andere große Blätter ein. Lege ihn an einen kalten Ort (wie einen Keller, in die Erde oder in kalten Misthaufen) für neun Tage oder länger, bis er verrottet ist. Danach zerstoße ihn wie Kohlbrei und forme ihn zu Kuchen, ähnlich wie Waid. Wasche die Kuchen dann nacheinander und zerteile sie wie Wachs. Wasche sie nicht zu stark im ersten Wasser und verwende kein zu hartes Wasser. Danach kannst du alles zusammen zerteilen und in gut fließendem Wasser kneten. Gib es in einen Topf und bewahre es gut bedeckt auf. Wer wasserfesten Leim herstellen möchte, muss etwas Öl erhitzen und den Leim darin auflösen, um dann seine Leimrute damit zu bestreichen. Man stellt auch anderen Leim aus Weizen her.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| le houx | Stechpalmenrinde | Wald (Achtung: Stechpalme ist in vielen Regionen geschützt und darf nicht einfach entnommen werden!) | — |
| eaue | Wasser | Leitung | — |
| feuilles de yebles, de seur, ou autres larges feuilles | Holunderblätter oder andere große Blätter | Wald | — |
| uille | Öl | — | — |
| fourment | Weizen | — | — |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.
⚖ glus
Gewählte Lesart: Vogelleim.
Andere mögliche Lesart:
⚖ yebles, de seur
Gewählte Lesart: Holunderblätter.
Andere mögliche Lesart:
⚖ tourteaulx comme guede
Gewählte Lesart: Kuchen, ähnlich wie Waid (in Form und Konsistenz).
Andere mögliche Lesart:
⚖ lingne
Gewählte Lesart: Leimrute oder Leimschnur.
Andere mögliche Lesart:
'Glus' ist der mittelalterliche Begriff für Vogelleim (Birdlime). Es handelt sich hierbei nicht um ein Lebensmittel, sondern um eine klebrige Substanz, die aus Pflanzenmaterial gewonnen und zum Fangen von Vögeln verwendet wurde. Leimruten oder -schnüre wurden damit bestrichen und in Bäumen oder Büschen platziert.
Nein, dieses Rezept ist nicht für die Zubereitung direkt am Lager geeignet. Der Herstellungsprozess erfordert eine mehrtägige Verrottung und aufwendiges Waschen und Kneten, was nicht unter Lagerbedingungen umsetzbar ist. Es müsste komplett zuhause vorbereitet werden.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die Lebensweise und die praktischen Fertigkeiten des späten Mittelalters, einschließlich der Jagd- und Fangmethoden.
'Houx' ist die Stechpalme (Ilex aquifolium), deren Rinde die Basis für diesen Leim bildet. 'Yebles, de seur' bezieht sich auf Holunder (Sambucus), dessen große Blätter zum Einwickeln der Rinde während des Verrottungsprozesses verwendet werden.