Wel ende edelike spijse · Gent, Flandern · 1475
.xviij. Uasten struuen nemt die rugghen van snouken ende soffraen wel ghe wreuen ende wit meel daer toe ghe tempert met wijne ende snijdet vygen int deegh ende hebt wallende smout ende bactser in
Coquinaria.nl — Christianne Muusers, Digitale Edition 2020 (Hs. UB Gent 1035)
🏕 Lagerküche-Tipp: Zuhause vorbereiten.
Nimm das Fleisch von Hechtrücken, gut geriebenen Safran und weißes Mehl. Vermenge alles mit Wein zu einem Teig. Schneide Feigen in den Teig. Erhitze wallendes Schmalz und backe die Struven darin aus.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| die rugghen van snouken | Hechtrücken | Fischhändler | Welsfilet (Zucht) |
| soffraen wel ghe wreuen | Safran | Apotheke, gut sortierter Supermarkt | — |
| wit meel | Weizenmehl | — | — |
| wijne | Wein | — | — |
| vygen | Feigen | — | — |
| wallende smout | Schmalz zum Frittieren | — | — |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.
⚖ smout
Gewählte Lesart: Pflanzenöl oder Fischfett zum Frittieren.
Andere mögliche Lesart:
⚖ rugghen van snouken
Gewählte Lesart: Das Fleisch vom Rücken des Hechts, fein zerzupft oder zerstoßen.
Andere mögliche Lesart:
Nein, dieses Rezept ist nicht ideal für die Lagerküche. Die Verwendung von frischem Fisch erfordert eine durchgehende Kühlung, die im Lager oft nicht gegeben ist. Zudem erfordert das Frittieren in wallendem Fett eine kontrollierte Hitzequelle und eine sichere Umgebung, die am offenen Feuer schwierig zu gewährleisten ist. Bereite dieses Gericht besser zu Hause vor.
Dieses Rezept stammt aus der Handschrift UB Gent 1035, die in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Flandern verfasst wurde. Es ist die einzige vollständig erhaltene mittelniederländische Rezeptsammlung dieser Epoche und wurde von Christianne Muusers (coquinaria.nl, 2020) digital ediert.
„Smout“ bezeichnet im Mittelniederländischen allgemein Fett. In einem Fastenrezept wie diesem ist davon auszugehen, dass es sich um ein pflanzliches Öl (z.B. Rapsöl, Leinöl) oder Fischfett handelt, da tierisches Schmalz (von Schwein oder Rind) an Fastentagen nicht erlaubt war.
„Struven“ sind eine Art frittiertes Gebäck, vergleichbar mit modernen Krapfen oder Frittern. Sie waren im Mittelalter in verschiedenen süßen und herzhaften Varianten verbreitet und wurden oft mit Früchten, Gewürzen oder auch Fleisch/Fisch zubereitet.