Libro della cocina (Anonimo Toscano) · Toskana, Italien · 1390
Nelle gran feste e dì pascuali, fa' di pasta uno arbore o vite o giardino. E in su l'arbore appicca pomi, pere, o uccelli, o uve, o ciò che tu vuoli, diversi, fatti di pasta distemperata con ova; e debbiansi empire di empiture sopra dette e coloralle di diversi colori, come giallo, verde, bianco e nero. A onore del detto arbore, poni nel mezzo d'esso un pastello, ovvero gabbia piena d'uccelli; e in tale arbore puoi ponere tutti i frutti li quali troverai, secondo e' diversi tempi. Quando si portarà nella corte, facciasi sotto l'albore (o vite, o giardino) fuoco di legne altamente, e ponanvisi vergelle odorifere; e ponanvisi pomposamente.
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition, Basis: Zambrini 1863)
Lagerküche-Tipp: Drei K.o.-Kriterien für moderne Mittelaltermärkte: ein Käfig mit lebenden Vögeln als Tischdekoration ist tierschutzrechtlich kaum darstellbar (Singvögel in der EU streng geschützt); ein hohes offenes Feuer aus Holz unter dem Servierobjekt im Hof scheitert an Brand- und Versicherungsauflagen; 12 Stunden Teig-Bildhauerei mit gefärbten Hohlfiguren ist Bankett-Kunsthandwerk für einen Fürstenhof, nicht für ein Marktwochenende. Eher Filmset, Museums-Banketinszenierung oder TV-Produktion.
An großen Festen und Ostertagen fertige aus Teig einen Baum, einen Weinstock oder einen Garten an.
An den Baum hänge Äpfel, Birnen, Vögel oder Trauben, oder was immer du möchtest, in verschiedenen Formen. Diese sollen aus Teig gefertigt sein, der mit Eiern vermischt wurde. Fülle sie mit den oben genannten Füllungen und färbe sie in verschiedenen Farben, wie Gelb, Grün, Weiß und Schwarz.
Zu Ehren des Baumes platziere in dessen Mitte eine Pastete oder einen Käfig voller Vögel. In einen solchen Baum kannst du alle Früchte setzen, die du findest, je nach Jahreszeit.
Wenn das Schaugericht in den Hof getragen wird, entzünde unter dem Baum (oder Weinstock, oder Garten) ein hohes Feuer aus Holz. Lege duftende Zweige hinein und präsentiere das Ganze prunkvoll.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| pasta | Teig | Supermarkt | - |
| ova | Eier | - | - |
| empiture sopra dette | Füllungen | - | - |
| colori | Lebensmittelfarben | Supermarkt | - |
| pomi | Äpfel | - | - |
| pere | Birnen | - | - |
| uccelli | Vögel (als Teigfiguren) | - | - |
| uve | Trauben | - | - |
| pastello | Pastete | - | - |
| uccelli | Vögel (lebend) | ⚠ Artenschutz beachten, nicht für den Verzehr oder die Haltung im Käfig gedacht. Nur als historische Referenz. | Künstliche Vögel oder Verzicht auf lebende Tiere. |
| legne | Brennholz | Baumarkt | - |
| vergelle odorifere | Duftende Zweige | Wald, Garten | Räucherhölzer oder getrocknete Kräuter |
Wörtlich ‚oben genannte Füllungen'. Dies bezieht sich auf Füllungen, die in anderen Rezepten des ‚Libro della cocina' beschrieben werden, aber nicht in diesem spezifischen Text. Typischerweise waren dies gewürzte Fleisch- oder Fischfarces.
Eine Art Pastete oder kleiner Kuchen, oft mit einer Kruste. Hier wahrscheinlich ein dekoratives Element oder eine kleine, gefüllte Backware.
Ein Käfig voller lebender Vögel. Die Verwendung lebender Tiere als Teil der Tischdekoration war im Mittelalter ein Zeichen von Reichtum und Spektakel, heute aus Tierschutzgründen nicht mehr praktikabel.
Duftende Zweige, die im Feuer verbrannt werden, um wohlriechenden Rauch zu erzeugen. Dies verstärkte den dramatischen Effekt der Präsentation.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
empiture sopra dette
Gewählte Lesart: Die ‚oben genannten Füllungen' werden als Verweis auf andere, nicht spezifizierte Füllungsrezepte im selben Kochbuch interpretiert. Dies ist eine gängige Praxis in mittelalterlichen Rezeptsammlungen, wo Grundzubereitungen oft nur einmal ausführlich beschrieben und dann referenziert werden.
pastello / gabbia piena d'uccelli
Gewählte Lesart: ‚Pastello' wird als eine Art Pastete oder kleiner Kuchen verstanden, der als dekoratives Element dient. Die ‚gabbia piena d'uccelli' (Käfig voller Vögel) wird als wörtliche Anweisung für lebende Vögel interpretiert, die als Teil des Spektakels dienten, jedoch aus modernen Tierschutzgründen nicht nachgestellt werden sollten.
Andere mögliche Lesart:
Der ‚Anonimo Toscano' verweist hier auf Füllungen, die in anderen Rezepten des Kochbuchs beschrieben werden. Dies könnten gewürzte Fleisch-, Fisch- oder Gemüsefarces sein, die typischerweise für Pasteten oder gefüllte Teigwaren verwendet wurden. Für die moderne Nachstellung kannst du eine Füllung deiner Wahl verwenden, die zum Anlass passt.
Historisch gesehen war die Verwendung lebender Vögel in Käfigen als Teil von Schaugerichten ein Zeichen von Luxus und Spektakel an mittelalterlichen Höfen. Aus modernen Tierschutzgründen ist dies heute nicht mehr vertretbar. Für eine Nachstellung kannst du auf künstliche Vögel zurückgreifen oder diesen Teil der Dekoration weglassen.
Im Mittelalter wurden natürliche Farbstoffe aus Pflanzen (z.B. Safran für Gelb, Spinat für Grün, Holunder für Schwarz) oder Mineralien verwendet. Für die moderne Küche eignen sich Lebensmittelfarben aus dem Supermarkt, um die gewünschten Gelb-, Grün-, Weiß- und Schwarztöne zu erzielen.
Nein, dieses Rezept ist nicht für moderne Mittelaltermärkte geeignet. Lebende Vögel als Tischdekoration sind tierschutzrechtlich untragbar - die meisten Singvögel sind in der EU streng geschützt, andere Vogelarten ebenfalls strengen Vorschriften unterworfen. Das im Originaltext beschriebene hohe offene Feuer unter dem Servierobjekt im Innenhof wäre auf einem heutigen Markt aus Brand- und Versicherungsgründen nicht umsetzbar. Auch die 12-stündige Teig-Bildhauerei mit mehrfarbig gefärbten Hohlfiguren entspricht eher höfischem Bankett-Kunsthandwerk des Trecento als einem Schauwochenende. Das Rezept lebt seinen Wert als historisches Dokument der mittelalterlichen Tafelkultur - eine echte Rekonstruktion wäre eher etwas für Filmsets, Museums-Banketinszenierungen oder TV-Produktionen.
Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro della cocina' des Anonimo Toscano, einem Kochbuch aus dem späten 14. Jahrhundert, verfasst in toskanischem Volgare. Es spiegelt die höfische und patrizische Küche der Zeit wider, die Wert auf opulente Präsentation und dramatische Effekte legte.