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Knoblauchsauce zu Speisen

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

Gewürz / SauceLagerküche-tauglichViel InterpretationsspielraumEinfach
10 Min.2-4 PersonenKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Original - Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)

Knoblauchsauce zu Speisen - Originalseite aus Kochbuch des Meisters Hans
Fol. 055r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)

Transkription - Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)

Ain salsen von knofflach zue

Item salsen von knofflach gemuess also zue gemuess Nym vnd reib mandel keren vnd semel zue dem knofflach das ist guot ze essen zue dem gemusz

CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0

Moderne Übersetzung

Lagerküche-Tipp: Im Mörser oder mit dem Messer schnell zubereitet, keine Kühlung nötig. Ideal als Beilage zu vielen Lagergerichten.

Nimm Knoblauch. Reibe Mandelkerne und Semmelbrösel dazu. Dies ist eine gute Sauce, die du zu Speisen essen kannst.

Hinweis zur Zubereitung: Der FNHD-Text ist sehr knapp gehalten und nennt keine Flüssigkeit - die ergäbe sich aber automatisch beim Reiben/Stoßen im Mörser. Vergleichbare Knoblauchsaucen im Korpus verwenden: Wasser (mar-117 Agliata Bianca, identische Zutaten + Wasser), Verjus (men-274), Essig (mar-118, bgs-032) oder Brühe (boc-073). Eine plausible Ergänzung wären 2-4 Esslöffel Wasser oder Verjus, mit etwas Salz nach Geschmack.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
knofflach Knoblauch - Praktische Mengen-Empfehlung: 2-4 Knoblauchzehen für die angegebene Portion. Aus quellenübergreifende Familie: in mar-117 wird die Menge "die dir angemessen erscheint" beschrieben.
mandel keren Mandelkerne - -
semel Semmelbrösel - Aus quellenübergreifende Familie (mar-117, men-274, mar-118): altbackenes Weißbrot wird oft in Flüssigkeit eingeweicht bevor es zerstoßen wird. Plus Flüssigkeit fehlt im Original - 2-4 EL Wasser, Verjus oder Essig ergänzen.

Anmerkungen

gemuess

Im Frühneuhochdeutschen konnte ‚Gemuess‘ sowohl ‚Gemüse‘ als auch allgemein ‚Speise‘ oder ‚Gericht‘ bedeuten. Hier ist es als Beilage zu einer Hauptspeise gemeint.

semel

Hier sind Semmelbrösel gemeint, die zum Binden und Andicken der Sauce dienen.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

fehlende Flüssigkeit (Skelett-Rezept)

Gewählte Lesart: Das Rezept nennt explizit nur Knoblauch + Mandelkerne + Semmelbrösel und keine Flüssigkeit. Drei trockene Zutaten ergeben aber keine Sauce - eine flüssige Komponente fehlt. Das ist typisch für mittelalterliche "Skelett-Rezepte", die viel Vorwissen voraussetzen und die Grundlagen nicht wiederholen. Plausible Ergänzungen aus der quellenübergreifende Knoblauchsaucen-Familie: Wasser (mar-117 "Agliata Bianca" - identische Zutaten + Wasser zur Mörser-Befeuchtung), Verjus (men-274 "Weiße/grüne Knoblauchsauce"), Essig (mar-118 "Lila Knoblauchsauce"), oder Brühe (boc-073 "Knoblauchsuppe"). Praktischer Modus: 2-4 EL Wasser oder Verjus, mit Salz nach Geschmack.

Andere mögliche Lesart:

  • Trockene Paste/Konfekt, keine Sauce. - Unplausibel weil der Originaltitel "salsen" (= Sauce) sagt. Eine reine Trockenpaste wäre kulinarisch unbrauchbar. Plus: das Verb "reiben" deutet auf pastös-feuchte Konsistenz.

knofflach (Zubereitung)

Gewählte Lesart: Die genaue Zubereitung des Knoblauchs (hacken, pressen, reiben) ist im Rezept nicht explizit genannt, aber impliziert, damit er mit den geriebenen Mandeln und Semmelbröseln vermischt werden kann.

semel

Gewählte Lesart: Mit ‚semel‘ sind hier Semmelbrösel gemeint, die zum Binden und Andicken der Sauce dienen.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte auch ein Stück Brot gemeint sein, das eingeweicht und dann zerdrückt wird. - Brot wurde im Mittelalter oft als Bindemittel in Saucen verwendet, aber ‚reiben‘ passt besser zu trockenen Bröseln.

gemuess

Gewählte Lesart: Der Begriff ‚gemuess‘ wird hier im Sinne von ‚Gericht‘ oder ‚Speise‘ verwendet, zu der die Sauce gereicht wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte auch spezifisch ‚Gemüse‘ bedeuten, da Knoblauchsauce gut zu Gemüse passt. - Die allgemeinere Bedeutung ‚Speise‘ ist jedoch im Kontext des Frühneuhochdeutschen häufiger, wenn es um Beilagen geht.

Häufige Fragen

Aus Knoblauch, Mandeln und Bröseln wird doch keine Sauce - was fehlt?

Stimmt - eine Flüssigkeit fehlt im Originaltext. Das ist typisch für mediävale Skelett-Rezepte, die das Grundprinzip einer Knoblauchsauce als bekannt voraussetzen. Aus der reichen quellenübergreifende Knoblauchsaucen-Familie kennen wir die plausiblen Ergänzungen: mar-117 (Agliata Bianca) verwendet bei identischen Zutaten (Mandeln+Knoblauch+Brot) zusätzlich Wasser; men-274 nutzt Verjus; mar-118 und bgs-032 nutzen Essig; boc-073 nutzt Brühe. Praktischer Modus: 2-4 EL Wasser oder Verjus zur Mandel-Knoblauch-Paste geben, mit Salz abschmecken. Die genaue Wahl ist Geschmackssache - alle sind historisch belegt.

Wie bereite ich den Knoblauch vor?

Das Rezept lässt die Zubereitung des Knoblauchs offen. Du kannst ihn fein hacken, pressen oder reiben, je nach gewünschter Konsistenz und Schärfe.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses einfache Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Es benötigt nur wenige Zutaten und kann schnell mit einem Messer oder Mörser zubereitet werden. Keine Kühlung erforderlich.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Kochbuch des Meisters Hans‘, das um 1460 in frühneuhochdeutscher Sprache verfasst wurde. Es spiegelt die bürgerliche Küche des süddeutschen Raumes wider.

Was bedeutet ‚gemuess‘ in diesem Rezept?

Im Mittelalter war ‚Gemuess‘ ein weiter gefasster Begriff als heute und konnte sowohl ‚Gemüse‘ als auch allgemein ‚Speise‘ oder ‚Gericht‘ bedeuten. In diesem Kontext ist die Knoblauchsauce als Beilage zu einer beliebigen Hauptspeise gedacht.

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