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Grüne Begleitsauce für schwarze und rote Hühner

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

Gewürz / SauceLagerküche-tauglichViel InterpretationsspielraumEinfachHofkücheVegan
10 Min.2-4 PersonenKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Original - Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)

Grüne Begleitsauce für schwarze und rote Hühner - Originalseite aus Kochbuch des Meisters Hans
Fol. 069v, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)

Transkription - Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)

Ain salsen zue schwarczen huner

Item Ain salsen zue schwarczen huner Ain Sallsen zue schwarczen roten huneren Da nym petersill oder annder grun kraut vnd schlach das durch mit essich .

CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0

Moderne Übersetzung

Lagerküche-Tipp: Benötigt einen Mörser oder eine Reibe.

Eine Sauce für schwarze und rote Hühner (siehe mha-182, „Schwarze Hühner mit farbigen Nägelein"):

Nimm Petersilie oder andere grüne Kräuter und schlage sie mit Essig durch, im Mörser zerstoßen und gegebenenfalls durch ein Tuch passieren, bis eine glatte grüne Sauce entsteht.

Diese frische, säuerliche Kräutersauce wird als Begleitsauce am Tellerrand zu den schwarzen und roten Hühnern gereicht, deren Überziehsauce dunkel und kräftig ist, der grüne Farbkontrast und die Essig-Säure brechen die Schwere der Hauptsauce.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
petersill Petersilie - -
annder grun kraut Andere grüne Kräuter - z.B. Kerbel, Estragon, Ysop
essich Essig - -

Anmerkungen

salsen

Mittelhochdeutsch für Sauce oder Tunke, hier spezifisch im Sinne einer Begleitsauce am Tellerrand (im Gegensatz zur Überziehsauce, die direkt über das Gericht gegossen wird).

schwarczen huner / schwarczen roten huneren

Verweist auf das Konzept der Farb-Bankett-Hühner aus mha-182: gebratene Hühner werden mit farbigen Sauce-Überzügen serviert (rot, schwarz, grün), garniert mit silbernen oder goldenen Gewürznelken. Dieses Sauce-Rezept ist die grüne Begleit-Salse, die zu den schwarzen UND roten Varianten gereicht wird, um den Farb-Kontrast und die Säure-Frische zu liefern.

schlach das durch

Die Kräuter mit dem Essig im Mörser fein zerstoßen und ggf. durch ein Tuch passieren, um eine glatte Sauce zu erhalten.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

schwarczen huner / schwarczen roten huneren

Gewählte Lesart: Verweis auf die Farb-Bankett-Hühner aus mha-182, gebratene Hühner mit schwarzer bzw. roter Überziehsauce. Diese Lesart ergibt sich zwingend aus dem unmittelbaren Kontext im Manuskript (mha-182 steht drei Rezepte zuvor) und macht die grüne Begleit-Salse als Farb-/Säure-Kontrast funktional schlüssig.

Andere mögliche Lesart:

  • Hühner mit natürlich dunklem Fleisch oder Blut-Hühner - Wäre eine isolierte Lesart ohne Kenntnis des Manuskript-Kontexts. Da mha-182 das Konzept der farbigen Sauce-Hühner direkt vorher explizit einführt, ist diese Lesart zu verwerfen.

schlach das durch

Gewählte Lesart: Die Kräuter mit dem Essig im Mörser zerstoßen und ggf. durch ein Tuch passieren, um eine glatte Sauce zu erhalten.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Zutaten lediglich verrühren oder verquirlen - Eine gröbere Textur wäre möglich, aber die Standard-Mhd.-Anweisung für Sauce-Zubereitung impliziert das Mörsern und Passieren.

Häufige Fragen

Was sind ‚schwarze Hühner‘, und warum eine grüne Sauce dazu?

Die ‚schwarzen Hühner‘ sind keine besondere Hühnerrasse, sondern gebratene Hühner mit einer schwarzen Überziehsauce, siehe mha-182 „Schwarze Hühner mit farbigen Nägelein", wo das Konzept der Farb-Bankett-Hühner ausführlich beschrieben wird. Die grüne Petersilien-Essig-Sauce dieses Rezepts wird als Begleitsauce am Tellerrand gereicht, um durch den Farbkontrast und die Säure-Frische die Schwere der dunklen Hauptsauce zu brechen. Eine elegante Tafel-Logik: dunkler Hauptgang trifft frische grüne Beilage.

Gehört dieses Rezept zu einer Serie?

Ja. Es ist Teil einer vierteiligen Sauce-Serie für die Farb-Bankett-Hühner im Meister Hans: mha-182 (schwarz, mit dem Master-Konzept und der Garnier-Hierarchie), mha-183 (grüne Überziehsauce für grüne Hühner), mha-184 (weiße Sauce mit italienischen Rosinen für weiße Hühner) und dieses Rezept (grüne Begleitsauce für schwarze und rote Hühner).

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind leicht zu transportieren und die Zubereitung erfordert lediglich einen Mörser und Essig. Falls du die schwarzen oder roten Hühner (mha-182) mitservierst, ist deren Vorbereitung allerdings nicht lagertauglich.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem „Kochbuch des Meisters Hans", das um 1460 in Basel verfasst wurde. Es spiegelt die Sauce-Kultur der spätmittelalterlichen Hof- und Bürgertafel wider, in der Saucen oft mehrlagig und farbig abgestimmt komponiert wurden.

Was bedeutet ‚schlach das durch‘ im Rezept?

Die Anweisung bedeutet, die Petersilie oder andere Kräuter mit dem Essig sehr fein zu zerstoßen und zu vermischen, typischerweise im Mörser, um eine glatte Paste zu erhalten, die dann durch ein Tuch passiert wird. Das ist die Standard-Mhd.-Anweisung für Sauce-Zubereitung.

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